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Ist die Aufarbeitung zum Thema fürsorgerischer Zwangsmassnahmen glaubwürdig?

Wir leben hier als Bürger eines reichen Landes welches von Rechtsgleichheit spricht und in welchem eine geschützte Kindheit als eines der höchsten Güter gehandhabt wird. Doch wir Betroffenen wurden nicht nur unserer Kindheit beraubt, sondern können auch heute noch kaum etwas von der vielgerühmten Rechtsgleichheit bemerken. Denn wenn heute so viele unter uns beispielsweise über keine Altersvorsorge oder ein menschenwürdiges Einkommen verfügen, ist dies meist auf das damals Erlebte Leid zu rück zu führen.

Bekommt heute ein Kind eine Ohrfeige verpasst, so macht die Öffentlichkeit einen Skandal daraus. Und ist heute die Sprache von Vergewaltigungsopfern, so zeigt jeder Mensch (richtigerweise) Verständnis für die Traumata welche solche Erlebnisse hinterlassen werden. Oder beispielsweise auch bei Wohnungseinbrüchen berichten die Medien über Traumata, unter welchen die Opfer zu leiden haben. Ohrfeigen aber dürften für viele unter uns Betroffenen sicherlich das kleinste Problem gewesen sein. Obschon wir nichts verbrochen hatten wurden wir bereits als Kinder wie Verbrecher behandelt. Statt Liebe und Fürsorge erfuhren wir Drill und waren meist nur Mittel zum Zweck. Statt uns als Kinder zu fördern wurde gefordert und statt mit anderen Kindern draussen spielen zu dürfen wurden wir von der Gesellschaft weg gesperrt oder mussten Leistung erbringen. Wenn wir Glück hatten, wurden wir als Kinder gezwungen unser eigenes Erbrochenes zu essen, sexuell perversen Menschen hilflos ausgesetzt, oder dergleichen. Wenn wir Pech hatten wurden wir zwangssterilisiert, oder den Frauen wurden bei gleichzeitiger Sterilisation die Kinder aus dem Leib geschnitten….

Wo also bleibt das Verständnis für uns frage ich mich, wenn wir z.B. wieder einmal mehr zu hören bekommen, dass wir die Vergangenheit doch endlich hinter uns lassen sollten?! Doch wie soll uns dies möglich sein, wenn wir in Folge des Erlebten im Jetzt und Heute immer wieder mit den Benachteiligungen konfrontiert werden, welche eben aus diesen jahrelangen Misshandlungen resultieren?!

Dies bedeutet für mich persönlich nicht, dass wir deshalb alles mit dem goldenen Löffel in unseren Allerwertesten geschoben bekommen sollen. Genauso wie dies für mich auch nicht selbstverantwortliches Handeln ausschliesst. Aber dennoch ist es nun einmal eine Tatsache, dass viele der Betroffenen sich ein Leben lang und auch heute noch in einer finanziellen und/oder seelischen Notlage befinden. Was nicht selten auch darauf zurück zu führen ist, im Berufsleben keinen Fuss gefasst haben zu können, weil uns die Voraussetzungen dafür unmöglich gestaltet wurden. Viele der seelischen Probleme können letztendlich auch auf die finanzielle Not zurück geführt werden, in welcher sich die meisten Betroffenen befinden. Denn konstante Existenzängste und finanzieller Druck machen letztendlich krank.

Wobei sich dies besonders im Jetzt und Heute, (auch) dank der Altersfürsorge welche nie aufgebaut werden konnte, für beinahe alle Betroffenen bemerkbar macht. Eine Kindheit war uns nicht vergönnt und seit rund einem halben Jahrhundert wird die Existenz vieler meist durch Existenzängste bestimmt.
Wo also bleibt die vielgerühmte Rechtsgleichheit, wenn keine Bereitschaft zu angemessenen schadensregulierenden Massnahmen in dieser Sache gezeigt wird?

Und jeder möge sich nun selbst die Frage beantworten, ob 25‘000.- Franken für eine gestohlene Kindheit, Zwangskastrationen und Adoptionen, sowie ein Leben voller Benachteiligungen nun unangemessen viel Geld sei, oder nicht eher einer Beleidigung gleich kommen würden.

Ich persönlich jedoch empfinde den aktuellen Stand der Dinge als äusserst unbefriedigend, da erstens Geld zwar eine wichtige Rolle spielt. In Hinblick auf den Betrag, dieser jedoch selbst symbolisch, in keinem Verhältnis zu dem Schaden steht. Was zweitens und gemäss meiner ganz persönlichen Meinung dann akzeptabel wäre, wenn zusätzliche und angemessene Massnahmen zur Schadensregulierung stattfinden würden.

Um dies also noch einmal festgehalten zu haben, wurde von mir am 12ten RT das Statement verlesen, welches hier im PDF Dokument eingesehen werden kann.

Und weil nun eben seitens der Politik und Behörden keine Bereitschaft zu einer angemessenen Aufarbeitung vorhanden zu sein scheint, setze ich mich für das Projekt 3-D Druck Café ein. Dies nicht nur um mir selbst, sondern auch anderen und nicht nur von FSZM Betroffenen greifbar helfen zu können.